Der Mythos von der Schärfentiefe

Was sind die Nachteile einer Four-Thirds Spiegelreflex-Kamera?
Vertraut man auf (Fach-)Zeitschriften und liest sich durch Internetforen, dann kommt man auf zwei Punkt:

  • Rauschverhalten ab ISO 800
  • Gestalterische Einschränkungen durch größere Schärfentiefe

Die Sache mit dem Bild-Rauschen ist sicherlich etwas, das bei anderen Systemen geringer ausfällt. Unter Nichtbeachtung der Tatsache, dass sich in meinem vielseitigen Portfolio praktisch keine Aufnahmen mit ISO 800 oder höher befinden, gebe ich diesen Punkt zu Gunsten der Kritik. Hier besteht noch Entwicklungspotenzial.

Dann kommen wir zu der Sache mit der Schärfentiefe. Die braucht man meist, um Dinge hervorzuheben und Akzente im Bild zu setzen. Im Makro-Bereich ist der Bereich der Schärfentiefe sowieso so klein, dass ein Systemvergleich keinen Sinn macht. Um einen vernünftigen praktischen Bezug zu bekommen, argumentiere ich deshalb im Folgenden mit einer Portraitaufnahme.
Die zugrunde liegende Portrait soll mit einer Brennweite von 100mm@KB, Blende f/2.8 und aus einem Abstand von 3 Metern geschossen werden. Verglichen wird dabei die Aufnahme einer Olympus-DSLR (Four-Thirds) mit der einer gebräuchlichen Canon, z.B. EOS 500d, EOS 50d oder EOS 1000d (APS-C). Der Vergleich mit einer Vollformat-Kamera macht in meinen Augen keinen Sinn. Preis und Einsatzbereich solch einer Kamera sprechen normalerweise nicht den ambitionierten Hobbyfotografen an.

  • Four-Thirds:

Um auf 100mm@KB zu kommen, benötigt man eine Brennweite von 50mm. Mit Blende f/2.8 bekommt man auf 3 Meter fokussiert einen Schärfebereich von 2,86m bis 3,16m.

  • APS-C

Um 100mm@KB zu erhalten, braucht es eine Brennweite von ca. 62mm. Aus Blende f/2.8 und einer Distanz von 3 Metern folgt ein Schärfebereich von 2,89m bis 3,13m.

Man sieht also, dass hier der Unterschied gerade einmal 3cm nach Vorne und Hinten ausmacht. Bei anderen Blenden ergibt sich ein ähnliches Bild:
f/2.0: 2,89m bis 3,11m zu 2,92m bis 3,09m
f/1.4: 2,93m bis 3,08m zu 2,94m bis 3,06m

Man könnte nun sagen, dass 2 bis 3 Zentimeter bei einem Portrait viel sein können. Das stimmt sicherlich. Die können bei Four-Thirds aber durch eine kleinere Blende gewonnen werden. Gegenargument kann lauten, dass man das bei APS-C auch tun könnte. Dann möchte ich aber mal wissen, mit welchem Objektiv das möglich sein soll. Für Olympus gibt es Objektive in der Brennweite um 100mm@KB, die für unter 500 Euro f/2.0 oder auch f/1.4 bieten. Bei APS-C sieht es da düster aus. Am ehesten kommen für den ambitionierten Hobby-Fotograf Canon EF 50mm f/1.4 und Canon EF 85mm f/1.8 in Frage. Das erste ist mit 80mm@KB fast ein bisschen kurz und das zweite mit 136mm@KB schon so lang, dass man sich deutlich weiter vom Motiv entfernen muss ( – um den gleichen Ausschnitt wie mit 100mm@KB zu erhalten ). Das Mehr an Distanz erhöht die Schärfentiefe dann wieder, womit die f/1.8 weniger bringen, als erhofft.

Wieso in aller Welt in Online-Foren immer wieder behauptet wird, „Olympus taugt fürs Porträtieren nicht so recht, kauf dir lieber eine EOS 500d oder auch 50d!“, will ich nicht verstehen. Kann mir das jemand erklären? Das aufgeführte Beispiel mit 100mm@KB und 3 Metern Distanz würde mit anderen Brennweiten und Distanzen ein ähnliches Bild ergeben. Wenn gewünscht rechne ich gerne andere Werte vor.

Gruß Florian

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~ von flo1981 - Januar 10, 2010.

2 Antworten to “Der Mythos von der Schärfentiefe”

  1. Was ich unterdessen weiß:
    Es gibt ein Tamron 60mm f/2.0. Damit hat man an APS-C (bei Offenblende) den ungefähr gleichen Blickwinkel und die gleiche Tiefenschärfe, wie das Sigma 50mm f/1.4 bei f/1.6 an Four-Thirds.

  2. Klasse Flo dass Du das mal so toll herausstellst.
    Das mit der Tiefenschärfe ist mir (wo ich doch immer wieder gerne Makros mache) ja gerade recht.
    Beim Rauschen werden wir immer einen Schritt hinterher hecheln, wir haben nun mal einen kleineren Sensor und damit auch kleinere Pixel (bei gleicher Pixelanzahl natürlich).
    Viele Grüße
    Rolf

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